Das Grau(en) (in) der Welt
Das Grauen der Welt
Das Grau (i/en) in der Welt
Das Grau(e)(i)n der Welt
Das Grau/en der Welt
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Von den Dingen, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie nicht kannten
Es gab eine Zeit, in der Menschen in einem anderen Verhältnis zu ihrer Umgebung lebten. Manche gibt es vermutlich noch immer. Eine Wahrheit, die es aufzustellen gilt und die aus dieser engeren Bindung jener Menschen mit der Natur hervorgeht, ist diese hier: Wir leben in Verbindung zu allem Anderen, das existiert. Alles bekannte besteht aus verschiedenen Kombinationen aus Atomen. Aus den gleichen kleinsten Bauteilen. Auf der kleinsten Ebene der Existenz geschehen Dinge, die unvorstellbar sind und unser Universum kreieren und verändern, es überhaupt entstehen lassen. Was die Grundlage und vor Allem die Energie für eine solch unglaubliche universale Entwicklung geschaffen hat, ist (noch) nicht zu ergründen. Und es ist löblich auf dieser Reise zu einer eventuellen Antwort auf diese Frage hin möglichst oft Rast zu machen, um sich umzusehen nach neuen Wundern und sich dahinter verbergenden Regeln und Mechanismen. Das Paradoxe daran ist eigentlich, dass durch jedes gelöste Rätsel und eine damit einhergehende Enthüllung und Entzauberung dessen, die Bewunderung und das Staunen, statt abzunehmen, exponentiell zu steigen beginnt. Wie sollten wir Quanten entgegnen, wenn nicht mit dem größten Staunen, dass wir je für eine Entdeckung aufgebracht haben? Die Welt der experimentellen Wissenschaft und die Physik im Allgemeinen ist für viele eine unerklärliche und fremde Form von Wahrheit. Während mein Interesse für physikalische Vorgänge und im Speziellen den Bereich der Astrophysik im Verlauf meiner Schulzeit, sowohl auf Grundschulebene, als auch später auf dem Gymnasium, nie geweckt wurde, begann ich erst später, mich selbst von diesen spektakulären Bereichen faszinieren zu lassen. Die bedeutendste Erkenntnis meiner nachschulischen Physikerfahrungen ist zweifelsohne diese: Auf kleinster Ebene ist die Masse nicht starr. Sie lässt sich nicht einmal geographisch bestimmen, da im Moment einer Messung der augenblickliche Aufbau des Atoms schon wieder ein anderer ist. So schnell und scheinbar so willkürlich bewegen sich die kleinsten Teile, aus denen alles gemacht ist, was ist. Ein Häufchen sich bewegender Energie. Auf allergrößter Ebene findet sich ironischerweise ein sehr ähnliches Bild. Im Netz von Billionen von Galaxien entsteht ein Haufen sich bewegender Energie.
Nimmt man die gesamte Masse des Universums und verteilte sie auf einem Suppenteller, so wären wir in der universalen Suppe weder im vielzitierten Zentrum des Ganzen noch irgendwie angesprochen in dem Rezept, das wir von unserer Großmutter vererbt bekommen haben. Der Geschmack dieses Gerichts würde sich nicht annähernd verändern, wenn der Planet Erde, oder auch unser Sonnensystem, unsere Galaxie in einem Haufen von unzähligen solchen, in der Suppe fehlen würden. Dass der Übergang vom geo- hin zum heliozentrischen Weltbild nicht ausreichte, um der Menschheit des Planeten Erde ihre doch kleine Rolle im Großen und Ganzen so deutlich aufzuzeigen, dass diese Wahrheit auch irgendeine Wirkung nach sich zöge, ließ zumindest erwarten, dass durch die Erkenntnis unserer kosmischen Zugehörigkeit das menschliche Ego, das sich in Böshaftigkeit und Machtgier manifestiert, überwunden werden könne.
Es mag sicher nicht leicht sein, sich dieser Wahrheit unterzuordnen, gerade weil in der gelebten Realität diese Bedeutung für unsere Existenz im Prinzip gar keine Rolle spielt. Aber sollte nicht im Hinblick auf erwiesene Wahrheiten und auf deren Grundlage gehandelt werden, als den höchst möglichen persönlichen Erfolg zu favorisieren, ohne Rücksicht auf Verluste, oder gesteigert, so wie es nie kein Teil der Weltgeschichte gewesen ist, missbrauchend und Schwächere unterdrückend.
WIE ALSO LÄSST SICH DIESER KREISLAUF DER UNTERDRÜCKUNG AUFBRECHEN?
Das Gesetz des Kosmos in Übertragung auf die Welt
Wir bleiben zunächst bei dem Bild der sich bewegenden Energie. Dieses Prinzip ist genauso auf die Ebene des Weltlichen übertragbar, wie es das auf subatomarer Ebene und auf kosmischer Ebene ist. Energiebündel in einem durchschnittlich etwa 1,65 m hohen und 62 kg schweren Paket verstaut, die sich über die Oberfläche eines 5,972 Trilliarden Tonnen schweren Planeten bewegen, angezogen von dessen Masse, während sich dieser Gravitationsberg selbst ausgesetzt sieht in Zusammenhäng zu unserem Sonnensystem, dass letztlich genauso beeinflusst wird von anderen Energien. Diese Abhängigkeitsverhältnisse und gegenseitige Einflüsse wiederholen sich ad infinitum.
Natürlich kann der Begriff der sich bewegenden Energie nicht die Antwort sein auf die Frage nach dem Ursprung unserer und der Existenz von Allem, was ist. Dennoch bereitet diese Konsequenz der Gleichheit alles Seins uns die Vorlage nach einer Denkrichtung des „Eins von Allem“. Unweigerlich, ob nun diese Wahrheit internalisiert wurde, oder überhaupt bekannt ist, anerkannt ist, oder auch gar kein Teil eines jenes Bewusstseins ist, diese Wahrheit gilt und ist unverrückbar.
Nun ließe sich behaupten, dass die jeweilige Anreihung und Kombination der Atome und Quanten dafür verantwortlich sind, dass Dinge verschiedene Werte tragen, (Die selbstverständlich menschengemacht sind und daher in der kosmischen Wahrheit allen Seins nicht einmal die kleinste Rolle spielen, doch dadurch, dass der Mensch seine Bedeutung und das unendliche Streben nach eben dieser nicht abzustellen vermag, ist eine erneute Aufklärung und ein Anerkennen von Wahrheiten unabdingbar.) aber das wäre ungefähr so, als mische man alle Farben dieser Welt zusammen und hätte dann die einzig wahre und beste Farbe, als spiele man alle Tasten eines Klaviers zur gleichen Zeit und hätte den schönsten und besten Klang. Doch die Schönheit und die Wichtigkeit aller Teile bleibt so lange bestehen, wie die kleinsten Teilchen deren Energie weitertragen. Ein hohes E sagt manchmal viel mehr aus, als alle anderen Töne zusammen.
Die Folgen der Wahrheit
Die Schwierigkeiten, solchen Wahrheiten im eigenen Leben Konsequenzen nach sich ziehen zu lassen sind unterschiedlich begründet und erweisen sich mit vielerlei Charakteristika. Wir müssen versuchen, zu verstehen, warum wir gerade in den letzten zwei Generationen, in denen das Wissen so schnell wie nie verbreitet werden konnte, das Gefühl nicht verlieren, dass die Richtung, die die globale Bevölkerung eingeschlagen hat, in keine Richtung führt, die entweder Frieden, Gerechtigkeit oder gar Liebe verspricht. Im Gegenteil; die Welt geriet aus den Fugen, die ihr selbst wiederum unnatürlich eingeritzt worden sind von den Menschen aller vergangenen Zeitalter. Zu Beginn der zwanziger Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts beweist die Welt einander, wie weit sie von Gerechtigkeit und Weisheit entfernt ist und wie widernatürlich sich der Mensch in Mitten und als Teil des Kosmos zu verhalten versteht, als gäbe es irgendetwas in dem Universum, dass ich verdiene, was wiederum von höherer Qualität ist, als dass, was die Ausländer, die Schwarzen, die Schwulen und Lesben, die Asiaten, Südeuropäer, Araber, Juden, Frauen, Kinder, Wehrlose, Tiere und die Natur beanspruchen können.
Denn ich werde geboren mit dem Anspruch, den ich wohlmöglich geerbt habe, in der Vorstellung auserwählt zu sein, privilegiert im Zentrum meines Lebens sitzend und wartend, dass mir Dinge zufliegen. Zufällig herrscht genau dort, wo ich meine bewusste Existenz begann, Konsens über die Wahrheit der Welt und weil ich auserwählt bin und ein Teil eines Bereiches, der widernatürlich abgegrenzt von anderen Bereichen besteht, zum Schutz von den Anderen, fühle ich mich machtvoll und besser als jeder, der anders ist. Meine Religion ist die wahre, meine Küche ist die wahre, meine Sprache ist die wahre, meine widerliche Abwesenheit von Respekt gegenüber Frauen ist das wahre, meine Kultur ist die wahre.
Es ist fast absurd, dass sich der Mensch so wichtig nimmt und seine Rolle derart interpretiert und Andere (Schwächere) durch seine Freude leiden lässt. Mit dieser Ignoranz zu leben kann einfach keine Konsequenz des Potentials der Menschheit sein. Was immer hinter der Ordnung des Universums liegt, was dessen Energie ermöglichte und (um im weltlichen Horizont zu bleiben) das Wunder der menschlichen Intelligenz und des Bewusstseins schuf: Niemand hat bisher eine Antwort darauf gefunden und so lange gilt für das Universum wie für die Menschen die Unschuldsvermutung. Der christliche Gott, das Judentum, die Muslime, Hindus, Buddhisten dieser Welt, alle Agnostiker, Atheisten, Nihilisten und Kreaturen des uns bekannten Lebens kennen nicht die Antwort und sie sind es auch nicht. Mit unwahrscheinlich hoher Wahrscheinlichkeit ist der Mensch nicht der Zenit einer kosmischen Evolution und damit kann auch unsere Weltanschauung letztlich keine endgültige Aufklärung liefern.
Wenn ich mich nun selber entscheide, ein muslimisches Leben zu führen, weil ich überzeugt bin, dass Mohammed mir gezeigt hat, wie ich zu leben habe, dann habe ich die Freiheit das solange zu tun, wie ich meiner Tochter gestatte, sich nicht an muslimische Gesetze halten zu müssen, wenn sie anderer Überzeugung ist. Was immer ich glaube hinter den Dingen zu sehen, das sieht kein anderer so, nicht einmal ein Ehepaar, das sich gemeinsam entschließt, christliche, evangelische Theologie zu studieren und Erfüllung in der Gemeindearbeit zu finden, hat die gleiche Vorstellung von der Welt. (Nicht einmal von Jesus Christus) Warum ergreife ich, trotz meines Wissens über die schwindende Möglichkeit einer wahren christlichen Realität, diesen Beruf und werde zum Aushängeschild der Kirche und des Christentums? Selbst bei festem und sicherem Glauben wird niemals eine ausreichende Überzeugung vorhanden sein, die andere Eventualitäten derartig ausschließt, dass ich „alles auf Rot setze“.
„Ich kann nur glauben, daß er am Ende seiner Kraft, die Kraft Gottes gefühlt hat. Ich kann nur das aus seinen Worten lesen: “Vater, dein Wille geschehe!” Es muß also hinter allem menschlichen Begreifen, einen Sinn geben – auch einen Sinn für den Tod. Und es gibt offenbar einen Trost.. dessen wir nicht mächtig sind,’ der aber dort anfängt, wo unser Verstand und unsere Worte an ihre Grenze kommen. Wie sonst soll einer, der am Kreuz den schändlichsten Tod stirbt, sagen können: “Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist”!? Er – der Herr der Christen – muß die Hände Gottes auch dort noch gespürt haben, wo Menschenhände und Menschengeist nicht mehr hinreichen. Ich glaube von daher fest, daß auch der Tod in der Macht Gottes steht, daß es Sinn gibt auch da, wo wir ihn nicht mehr sehen können, daß Trost und Hilfe von dort kommen, wohin menschliches Begreifen nicht vordringen kann. Wo unsere Ohnmacht beginnt, zeigt sich Gott mächtig. […] Nein, sie war nicht von Gott verlassen, als es geschehen ist! Auch wenn unser Verstand das nicht faßt, aber jeder Tod, auch das frühe Sterben, ist in Gottes Macht! Er weiß auch einen Sinn – und er schenkt in der Auferstehung auch ein Ziel!”[1]
Dieses Beispiel eines Teils einer Beerdigungsansprache, welches zumindest großteilig repräsentativ für eine der Botschaften stehen kann, die in Momenten der Trauer von Seiten Geistlicher vermittelt werden, zeigt eine Sicherheit, an die sich so viele Menschen verzweifelt klammern, den Sprechenden nachsagend und folgend, ohne die Gabe, zu reflektieren und zu einer anderen und eigenen Wahrheit zu gelangen. Natürlich ist die Vorstellung schön und tröstlich, dass unser Ziel in der Auferstehung liegt und, dass in Gottes Macht Dinge passieren, die wir nicht verstehen und sie deshalb wunderbar wegprojizieren können und, dass wir niemals allein sind und in allem Sinn liegt. Aber wenn ich mir nicht sicher bin, dass das stimmt, wenn mein Glaube zwar stark, aber nicht vollkommen ist, wie tröste ich mit diesen Worten Menschen, die die größte Traurigkeit erleben und sich in diesen Momenten an einer nichtexistenten Hilfestellung klammern und vertrauen auf die Worte, die von den Geistlichen in offizieller Robe in alten Gemäuern zu rituellen Klängen zu ihnen gesagt werden.
In verschiedenen kirchlichen Jugendgruppen habe ich Dinge gesungen wie:
“Our God is an awesome God
He reigns from heaven above
With wisdom, power, and love
Our God is an awesome God”[2]
Und
“We want to see Jesus lifted high
A banner that flies across this land
That all men might see the truth and know
He is the way to heaven”[3]
Dass ich nie hinter dem stand, was ich so sang, ändert nichts daran, dass ich Teil dessen war und auch nichts daran, dass es Momente gab in meiner Kindheit und frühen Jugend, in denen ich ausdrücklich versucht habe, zum Gott, den meine Eltern erschufen, zu beten, weil mein Weltbild so verschoben war und meine Bildung vermutlich noch nicht den Stand erreicht hatte, der mir versichern konnte, dass diese Hoffnung voraussichtlich unbegründet ist. He is probably not the way to heaven.
Jedes Mal, wenn Menschen in Positionen mit Verantwortung die Grenzen derer überschreiten, die in deren Verantwortung stehen, wird unmenschlich gehandelt. Eine Frau, die mit 30 Jahren bei ihren Eltern lebt und auf Verheiratung wartet, bis sie von einer Abhängigkeit und Unterdrückung zu einer anderen gehen kann, weil der Vater so entscheidet und, weil das alle so tun, die im Umkreis leben und selbst diesen Lebensentwurf ablehnt, aber keine Möglichkeit hat, dem zu entfliehen, wird in ihrer Existenz so sehr eingeschränkt, dass sie ihrer Verwirklichung nicht nachkommen kann.
Die Ungewissheit als Teil des Lebens
Ich hege keinen Groll gegen meine Eltern, dass sie mich gegen meinen Willen getauft haben, aber ich hege einen (kleinen) Groll gegen mich, dass ich mich mit 14 Jahren entschieden habe, mich konfirmieren zu lassen. An sich war die Zeit angenehm, weil man mit Gleichaltrigen zusammen war, aber im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte damals schon formulieren können, wäre in der Lage gewesen selbst zu ergründen, wie sich meine Sicht der Dinge präsentiert. Was uns auf den ersten Blick als panisches Wachrütteln der Unbedeutsamkeit (in der Erkenntnis der Wahrheit unseres kosmischen Gewichts) ins Gesicht springt, kann im zweiten Augenblick eine wärmende Gelassenheit mitbringen, die uns die Grundlage für einen gleichberechtigten (globalen, vielleicht eines Tages sogar universalen) Umgang mit Anderem zeigt, in dem der gleiche wahre Wert einander aufleuchtet und das Egozentrische aus dem Menschen entweicht.
Doch diese verstrickte Erkenntnis wird ihren Weg nicht ohne Weiteres in das Bewusstsein der Menschheit finden; jedenfalls hat sie das bis dato augenscheinlich nicht getan. Doch woran liegt das? Jedes andere Lebewesen akzeptiert die Wahrheiten der jeweiligen Umgebung und lebt entsprechend, oder überlebt schlichtweg nicht, wenn es ihm nicht gelingt, sich den gegebenen Umständen anzupassen. Was soll es auch anderes tun? Der Mensch in Opposition zu unbewusstem Leben (im Sinne von: die Dinge um sich nicht erklärend) stach insofern heraus, als dass es ihm gelang, sich nicht geographisch festlegen zu müssen und in dem Fund von Überlebensmethoden, die es ihm ermöglichten, Widerstände und Wahrheiten zu überwinden. Vielleicht hat uns diese Eroberung der Natur auf der Welt weis machen wollen, dass Gegebenheiten und Regeln beliebig sind: Wenn die Welt sich unserem Willen beugt, dann tut der Kosmos dem gleich. Man könnte folgern, das Nichtbewusste (s.o.) habe einen Vorteil gegenüber der Menschheit, in dem es die Wahrheiten annimmt, wie sie sind und strikt nach dem leben, was sie wissen. Was nicht heißt, dass das Ziel des weltlichen Weges gleichzusetzen wäre mit einer Übernahme der Lebensart der Tierwelt in die Menschenwelt. Jedoch scheint in der Natur eine Symbiose vorzuherrschen, die sich dem Chaos des Kosmos unterordnet und den damit verbundenen (physikalischen) Regeln. Das Handwerk der Analyse und des analytischen Arbeitens, des Transformierens von Informationen in neue und fremde Gebiete und die Fähigkeit nicht durch Zufall, sondern durch gezieltes Hinarbeiten zu lernen, erließ uns den Zwang, diesen natürlich existierenden Regeln stets folgen zu müssen. Und es machte uns überheblich. So sehr, dass wir unseren Platz vergessen und unser Potential in der Versenkung verkommen lassen. Flöße die Energie menschlichen Strebens in das Forschen von Allem und im Speziellen (und um unseren Standort noch besser nachvollziehen zu können) in die Erforschung des Universums. Genau so wäre es sicher möglich gewesen, die Tiefsee bereits kartographiert und nahezu vollends erkundet zu haben, wenn die Motivation der Menschheit in dem Suchen nach Antworten gelegen hätte und nicht im Festhalten an starre Systeme. Letzteres ist ein weiteres seltsames Phänomen der Menschheit, das im eigentlichen Sinn gegen die Natur (Alles) arbeitet, in dem sie unaufhörlich versucht, Traditionen von einer Generation zu der nächsten zu tragen und in Bezug auf eine für einen persönliche Erfahrung damit im Akzeptieren der Wahrheiten unser Versagen besiegelt und so die Entfaltung der Veränderung blockiert, der sich die Menschheit, um die Verbindung zu Allem zu spüren und ihrer Konsequenz getreu zu handeln, unterziehen lassen muss. Dafür ist es notwendig, dass ein irdischer Konsens entsteht, der vollzählig umgesetzt gelebt wird und dessen Anfang in der Besinnung, in der Reflexion und besonders in der Selbstreflexion liegt, aus dessen Zustand man befähigt wird, wieder ein Haufen sich bewegender Energie zu werden, der mit Allem in Verbindung steht.
Dieser Prozess ist sicher nicht identisch, nicht one and the same für die Gesamtheit bewussten (s.o.) Lebens. Ganz im Gegenteil: unausweichlich muss dieser Prozess subjektiv und in eigenem Erkennen seiner Existenz wachsen und einen jeden, der dieses durchwirkt, durch die tiefen Dunkel seiner eigenen Abgründe führen, die unbequemsten Fragen am lautesten stellen, bis man sich der Wahrheit seiner eigenen Ungesichertheit nähern kann und diese im weiteren Schritt zu dechiffrieren und in eine Botschaft übersetzen versucht, die sich mehr oder weniger konkret formulieren lässt. Das Erreichen des Gefühls einer haltlosen Leere in der Unendlichkeit allen Seins ist überwältigend und beängstigend, da alle Last, die man trug, nichtig wird und sich auflöst in Strukturen von Energie. Ich konnte mir nie vorstellen, wie Menschen in der Zeit, die ihnen gegeben wurde, nicht haltlos nach Antworten, purpose und Grenzen suchten, anstelle festgeschriebener Ideen und Geschichten nachzugehen, die andere die Arbeit machen ließen, der man selbst nun bevorsteht.
Ich kenne jemanden. Er ist einer der freundlichsten, loyalsten und liebenswürdigsten Menschen und ich habe noch nie eine wirklich tiefgehende Diskussion führen können, in der man der Frage hätte nachgehen können, warum das Christentum so wichtig für dich ist und warum du so große Angst hast, zuzugeben, dass dein Zweifel stärker ist, als der Glaube, der sich in seinem echten Gewand irgendwo in deinem Innern versteckt hält. Ich kenne die Panik und das Gefühl im Rücken, dass mich zusammenfahren lässt und ich, wie früher als kleines Kind in Verzweiflung und Tränen aufgelöst nach Sinn schreie. Ist es nicht irgendwie erwärmend, dass wir das gemeinsam haben? Uns beiden fehlt jeglicher Schimmer, was hier passiert. Es ließe uns schmunzeln und vielleicht weinen; aber wir wüssten um die Aufrichtigkeit, die wir einander entgegnen und wären vereinte Pilger des unendlichen Kosmos. Zusammen am Abgrund der Unendlichkeit, Hand in Hand stünden wir, wenn wir uns auflösten und körperlos Eins würden, in welcher Form auch immer. Wir hätten keinen Himmel und keinen christlichen Trost des ewigen Lebens, aber wir wären die purste Version unserer selbst und hätten einander in jenem Moment, wenn uns der Abgrund einholt und unser Dasein durchwürfelt und nichts dastehen lässt, wo wir es wähnen; denn da ist nichts. Wir bräuchten keinen Jesus, der uns als Grenze zueinander entgegnet und zu anderen, die an Jesu Stelle alles andere mögliche stellen, dass sie wiederum brauchen, an die ich die Wahrheit der Ungewissheit stelle.
Die TEUFEL, die uns hindern
Um sich den tatsächlichen Gegebenheiten zu offenbaren, und sich ihnen hinzugeben, muss verstanden werden, dass sich die eigentliche Ebene der Existenz in einem Bereich befindet, der so abstrakt und wiedernatürlich scheint, fernab von unserer Realität, dass wiederum ein benötigtes Feingefühl und eine Motivation entstehen müssen, um sich vorzustellen/vorstellen zu wollen, was dessen Botschaft in unserem Leben tatsächlich bedeutet. Die Gesetze unserer bekannten und physikalischen Welt gelten auf kleinster Ebene nicht: Die Masse ist nicht da, wo wir sie sehen und verhüllt ihren wahren Standort in dem Augenblick, in dem wir sie zu messen versuchen.
Der krankhafte Versuch, alle Dinge, Menschenleben, Gefühle, Erinnerungen, etc. in Rahmen zu pressen, diese mit Namen zu versehen und damit den fließenden Charakter der Existenz zu leugnen, kämpft gegen das, was unser Leben eigentlich ausmacht: die Flüchtigkeit des Moments und das ganze Leben in diesem. Alles, was ist, ist so, wie es ist nur in diesem augenblicklichen Moment so, weshalb es beinahe widernatürlich ist, unter der Vergangenheit leidend, in dieser zu verweilen, oder durch Ängste und Sorgen, seinem eigenen jetzigen Leben voraus zu leben und in dunkler Erwartung auf sein Unheil zu warten. Wer den Kern des Lebens nicht zu erkennen vermag, lebt am Leben vorbei und hängt in illusorischen Verkettungen, die die Verwirklichung seiner Selbst und die Erkenntnis der Einigkeit dermaßen unterdrücken, dass das Leben nur in kurzen Momenten aufleuchtet, in denen nichts anderes etwas bedeutet, als genau dieser eine Moment. Stattdessen klammert sich die Menschheit an (von ungebildeteren (im Sinne von aus einer anderen Zeit stammend und damit geprägt von anderen Weltbildern) Menschen) vorgefertigte Denkmuster und Kategorisierungen der Verhältnisse, die Unwahrheit über Unterschiede der Wertigkeiten in verschiedenen Menschen erstarken und damit die unnötig vorhandenen Missstände und Abgründe in der Welt, anstatt sie zu eliminieren, zu nähren, so dass klein gehalten werden kann, was, um systemkonform bleiben zu können, klein gehalten werden muss.
Die Größte Sorge des Menschen ist ironischerweise immer noch die, die es zu Beginn seiner Evolution war: die Sorge um die eigene Existenzsicherung. Sollte man meinen, dass zum heutigen Stand der Wissenschaft und Technologie ein existenzgesichertes Leben global garantiert sein könnte, (und eine ausgewogene Ressourcenverteilung lege dafür den Grundstein) so muss man erstaunt konstatieren, dass diese Annahme unglaublich haltlos gewesen zu sein scheint, da bei erster Betrachtung zwar scheinbar alle nötigen Grundlagen vorhanden sind, jedoch durch zig fehlinterpretierte Weltbilder und kreisende unaufhörliche Machtmissbräuche, ein Weltsystem entstand, dass dem Ursprung und der Idee des Menschen im Kosmos absolut widerspricht. In der uns augenblicklich gewahren universalen Realität gibt es keine Ansprüche auf irgendetwas. Diese gibt es nur auf dem Pale Blue Dot[4], dessen Idee Carl Sagan[5] so wundervoll folgt und gleichzeitig ermahnt, sich des Gewichts dieser Wahrheit, des kleinen Punktes, der kaum zu erkennen ist und auf dem wir leben, gewahr zu werden. Diese kosmische Konstellation muss die Grundlage sein, auf der wir unser Handeln und unser Denken aufbauen, denn diese ist wahr. Diese unverrückbare Tatsache wird sich nicht ewig vor dem Bewusstsein der Menschen verstecken können, bis sie endlich in die Struktur der Menschheit und der Welt übergegangen ist, um tatsächlich garantieren zu können, dass diese gerecht ist.
Nun, wie bereits angesprochen sind die Gründe dieser „menschlichen Blockade“ unheimlich vielfältig und tief verstrickt in die Eigenheiten und auch Ursprünge der Menschheit, doch muss es einen Weg geben, uns vor uns selbst zu bewahren, in dem wir unsere wahre Identität annehmen und übergehen zu wahrer Gerechtigkeit.
Überreste:
Die Grenze zum Emsland zerfließt im Wissen der Gemeinsamkeit allen Seins, so wie die Grenze zu den Niederlanden und alle anderen geographischen und farblichen Grenzen, die unwahrhaftige Botschaften verteilen um uns eine Wahrheit einzuprügeln, die Differenzen sucht, wie ein Verdurstender in der Wüste nach Wasser sucht. Und warum? Weil ich auserwählt wurde, um am wahren Platz der Welt zu wirken, im wahren Konsens meines Umfelds.
[1] http://www.predigt-eichendorf.de/Trauerarchiv.html, Unfalltod einer 20jährigen. Beerdigungsansprache, Manfred Günther. Heruntergeladen 2. Juni 2020 13:32 Uhr
[2] Awesome God, Michael W. Smith, Worship, 2001.
[3] We want to see Jesus lifted high, Doug Horley, We want to see Jesus lifted high/King of heaven, 2008.
[4] Engl.: blasser, blauer Punkt. Name einer Aufnahme der Raumsonde Voyager, die bis dato die Aufnahme des Planeten Erde war, die aus der größten Distanz zur Erde gemacht wurde. 14. Februar 1990.
[5] Carl Edward Sagan, *09. November 1934, Brooklyn, New York City. †20. Dezember 1996, Seattle, Washington.